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Akne inversa: Warum sie für Betroffene so schlimm ist

Akne inversa (auch Hidradenitis suppurativa genannt) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die für die Betroffenen sowohl körperlich als auch seelisch extrem belastend sein kann. Warum sie entsteht, ist in der Medizin umstritten. Woran du Akne inversa erkennst, welche Symptome und Begleiterscheinungen die Erkrankung haben kann und welche Therapie- und Behandlungsmethoden eingesetzt werden können, um den Leidensdruck der Betroffenen zu vermindern, erklären wir Dir in diesem Artikel.

Was ist Akne inversa?

Akne inversa (oder auch: Acne inversa) ist keine Akne im klassischen Sinn, sondern eine Hauterkrankung mit chronisch entzündeten Haarfollikel. Haarfollikel sind die Strukturen, die die Haarwurzeln in der Haut umgeben. Sie bestehen aus Haut- und Bindegewebe. Sind diese dauerhaft entzündet, bilden sich aufgrund der Entzündungen häufig Knoten, Abszesse, Fisteln und Hohlräume unter der Haut, sogenannten Fistelgänge. Dadurch wird die Haut stark geschädigt und es kommt oftmals zur Narbenbildung.

Bisherige Studien zu Akne inversa legen nahe, dass die Krankheit bei Frauen bis zu fünfmal häufiger auftritt als bei Männern. Dafür zeigt sich bei männlichen Patienten meist eine schwerere Verlaufsform.

Akne inversa kann – insbesondere, wenn sie nicht frühzeitig behandelt wird – sowohl körperliche als auch seelische Spätfolgen haben. Viele Patienten und Patientinnen leiden nicht nur unter den teilweise schweren körperlichen Einschränkungen wie chronischen Schmerzen und verminderter Beweglichkeit, sondern auch an psychischen Auswirkungen. So kann Akne inversa einen immensen Einfluss auf das Selbstwertgefühl und das soziale Umfeld haben. Darüber hinaus kann Akne inversa – sehr selten – zu weißem Hautkrebs führen.

Wo tritt Akne inversa auf?

Die Entzündungen der Haarfollikel finden sich bei Akne inversa typischerweise vor allem an behaarten Hautpartien. Dazu gehören:

  • Achselhöhlen
  • Anal- und Genitalregion
  • Leistenbereich
  • Bauchfalten
  • Unter der Brust (bei Frauen)

Sie können aber auch an anderen Körperstellen auftreten. Warum Akne inversa vorwiegend im Intimbereich, unter der Achsel oder am Gesäß auftritt, liegt wahrscheinlich daran, dass an diesen Stellen Haut aufeinander reibt.

Wer ist besonders oft betroffen?

Akne inversa kann in jedem Alter auftreten. In vielen Fällen sind Erwachsene ab 20 Jahren betroffen, aber die Krankheit kann sich auch bereits im Jugendalter einstellen. Oft zeigen sich die ersten Symptome schon während oder nach der Pubertät. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1 bis 4 Prozent der Weltbevölkerung an Akne inversa leiden. Ab einem höheren Alter (ca. 55 Jahren) nimmt die Wahrscheinlichkeit, an Akne inversa zu erkranken, wiederum ab.

Gerade für Heranwachsende ist es eine große Herausforderung, mit Akne inversa und deren Folgen umgehen zu müssen.  Die Erkrankung kann das Sozialleben von Jugendlichen negativ beeinflussen und dazu führen, dass sich die Betroffenen immer mehr zurückziehen und nur noch selten oder gar nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Die Ursachen für die Entstehung von Akne inversa sind noch nicht vollständig erklärt. Auffällig ist, dass chronisch-entzündliche Erkrankungen des Darms (wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn) gehäuft mit Akne inversa einhergehen.

Akne inversa: Entstehung und Symptome

Akne inversa ist oft sehr schmerzhaft, unangenehm und kann zu Schamgefühlen und Stigmatisierung führen. Für die Betroffenen ist die Erkrankung körperlich und seelisch belastend. Wie sie genau entsteht und woran Du die Erkrankung erkennst, erfährst Du jetzt.

Wie entsteht Akne inversa?

Akne inversa beginnt mit einer Entzündung der Haarfollikel (Haarbalg). Dieser Haarbalg ist die Körperstruktur, die die Haarwurzel umschließt und das Haar in der Haut verankert. Gebildet wird das Haar in der Haarwurzel. Dort kommt es im Falle von Akne inversa auch zur Entzündung, denn der Haarwurzelkanal am oberen Teil des Haarfollikels verstopft. Dadurch kann der in den Haarwurzeln produzierte Talg nicht mehr abfließen und nach außen gelangen. 

Der Haarbalg beginnt anzuschwellen und bricht schließlich auf. Dadurch gelangt der angestaute Inhalt in das umliegende Gewebe – auch Bakterien und Keratin aus der Hornsubstanz der gebildeten Haare. Nun tritt das eigene Immunsystem in Aktion und es kommt zu einer sich ausweitenden Entzündung. Da der Körper in diesem Zuge immer mehr entzündungsfördernde Botenstoffe ausschüttet, kommt es mitunter zu einer chronischen Entzündung. Dadurch werden Schweißdrüsen und das Bindegewebe geschädigt, wodurch sich wiederum Abszesse und Fistelgänge bilden können.

Woran erkenne ich Akne inversa?

Akne inversa kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Typisch sind bestimmte krankhafte Veränderungen unter der Haut in Form von Pusteln und Knoten.

Zu den Symptomen von Akne inversa gehören:

  • Mitesser und Pusteln
  • Erbsengroße Knoten, die deutlich unter der Haut ertastbar sind
  • Abszesse (abgekapselte Eiteransammlungen im Gewebe)
  • Zysten (Hohlräume im Gewebe)
  • Fisteln (entzündete röhrenförmige Gänge, die sich aus einem Abszess bilden)
  • spätere Narbenbildung


Die entzündeten Stellen sind meist sehr schmerzhaft. Oftmals kommt es monatelang nicht zu einer Besserung. Gehen sie schließlich auf, sondern sie vornehmlich Eiter und eine unangenehm riechende Flüssigkeit ab.

Treten Abszesse und Fisteln immer wieder auf, sind das Hinweise auf eine schwere Verlaufsform der Erkrankung. Bei leichteren Formen der Akne inversa kommt es eher zu vereinzelter Abszess- und Knötchenbildung.

Begleiterscheinungen von Akne inversa


Akne inversa hat neben den genannten Symptomen weitere Begleiterscheinungen. Häufig kommt es im Zuge der Erkrankung zu chronischen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Der unangenehme Geruch und das Aussehen der Haut können die Betroffenen zusätzlich schwer belasten. Einige Betroffene ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld immer mehr zurück und leiden unter einer stark beeinträchtigten Lebensqualität.

Die Entwicklung der Krankheit ist unterschiedlich – ein Fortschreiten der Akne inversa ist nicht immer der Fall. Um die Erkrankung möglichst frühzeitig in den Griff zu bekommen und angemessen behandeln zu können, ist eine rechtzeitige Diagnose durch einen Hautarzt / eine Hautärztin wichtig.

Akne inversa: Ursachen und Risikofaktoren


Die Ursachen für Akne inversa bzw. warum die Hauterkrankung bei einigen Menschen immer wieder und bei Frauen viel häufiger auftritt als bei Männern, sind bis heute nicht abschließend geklärt. Vermutet werden in der Wissenschaft drei mögliche Gründe:

  • Erbliche Veranlagung (bei 40 Prozent der Betroffenen tritt Akne inversa bereits in der Familie auf)
  • Einfluss von Hormonen (bestimmte Hormone könnten die Erkrankung fördern, da deutlich mehr Frauen als Männer betroffen sind)
  • Gestörtes Immunsystem (eine Fehlleitung des körpereigenen Abwehrsystems könnte ebenfalls Akne inversa auslösen)

Die Ursachen sind zwar nicht 100 % geklärt – sicher ist aber, dass Akne inversa nichts mit mangelnder Hygiene zu tun hat. Auch Bakterien werden nach dem heutigen Stand der Forschung als Verursacher ausgeschlossen.

Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, die im Verdacht stehen, Akne inversa zu begünstigen. Zu diesen Auslösern (Triggerfaktoren) zählen Rauchen, starkes Übergewicht, übermäßig starkes Schwitzen (Hyperhidrose) sowie eine mechanische Reizung der Haut (z. B. durch Rasur).

Akne inversa: Diagnose und Therapiemöglichkeiten

Um Akne inversa bestmöglich zu behandeln und dauerhafte Schäden an der Haut zu begrenzen, ist eine frühzeitige Diagnose wichtig. Einen einzelnen, bestimmten Test, mit dem sich die Erkrankung diagnostizieren lässt, gibt es nicht. Da eine eindeutige Diagnose häufig schwierig ist, wird Akne inversa, insbesondere im Anfangsstadium, oftmals nicht erkannt. So dauert es in vielen Fällen mehrere Jahre, bis die Betroffenen eine Diagnose erhalten und die Krankheit therapiert werden kann.

Nach einem ausführlichen Gespräch mit der Hautärztin / dem Hautarzt werden die betroffenen Hautstellen kontrolliert. Hier spielt es eine Rolle, ob und inwieweit die Entzündungen tief liegen, schmerzhaft sind oder schon Narbengewebe aufweisen. Auch die Frage, ob andere Familienmitglieder an Akne inversa leiden, kann dem Arzt oder der Ärztin einen Hinweis für eine Diagnose liefern.

Durch die ärztliche Untersuchung kann festgestellt werden, welches Stadium die Erkrankung aufweist. Je nach Erscheinungsbild lässt sich Akne inversa in drei Stadien unterteilen:

  • Mildes Stadium / Stadium I: Einzelne Abszesse ohne Fistelgänge und Narbenbildung
  • Mittelschweres Stadium / Stadium II: Ein oder mehrere wiederkehrende Abszesse mit Fistelgängen und Narbenbildung
  • Schweres Stadium / Stadium III: Ineinander übergehende Abszesse mit mehreren Fistelgängen und Narbenbildung, großflächig verbreitet

Wie lässt sich Akne inversa behandeln?

Da Akne inversa von Mensch zu Mensch unterschiedlich verlaufen kann, ist eine individuelle Behandlung der Erkrankung der einzige Weg, um diese bestmöglich einzudämmen – denn heilen lässt sie sich nicht. Eine frühzeitige Diagnose trägt jedoch dazu bei, dass Folgen wie Narbenbildung aufgehalten werden und unter Umständen auch keine Operation nötig ist. 

Generell können bei der Behandlung von Akne inversa Medikamente helfen, um die Abstände zwischen den Schüben zu verlängern und ein Fortschreiten der Erkrankung zu vermeiden. Ein operatives Entfernen der Zysten und Fisteln ist ebenfalls möglich und insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen oftmals erforderlich. Der Hautarzt / die Hautärztin kann zusätzlich Schmerzmittel in Form von Salben oder Tabletten verschreiben, um die mit Akne inversa auftretenden Schmerzen zu behandeln. 

Bei milden und mittelschweren Verläufen kommen hauptsächlich antibakteriell und antientzündlich wirkende Salben oder Tabletten zum Einsatz. Für Frauen kann es zudem sinnvoll sein, die Akne inversa mit einem Hormonpräparat wie der Antibabypille zu behandeln. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist eine Lasertherapie. Oft werden mehrere Therapiemethoden miteinander kombiniert, um ein bestmögliches Behandlungsergebnis für die Patienten / Patientinnen zu erreichen.

Zusammenfassung

Akne inversa ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haarfollikel, die für die Betroffenen mit einem deutlichen Verlust an Lebensqualität einhergehen kann. Im Zuge der Erkrankung kommt es zur Bildung von schmerzhaften Knoten, Fisteln und Zysten unter der Haut sowie zur Narbenbildung. Viele der Betroffenen schämen sich wegen ihrer Haut und leiden zum Teil unter starken Schmerzen. Da Akne inversa die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen kann, wird in vielen Fällen eine psychologische Behandlung empfohlen, etwa in Form einer Psychotherapie oder dem Austausch in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen.

Häufige Fragen

Wie wird man Akne inversa los?

Tatsächlich ist man nie ganz von Akne inversa geheilt – dennoch gibt es gerade bei einer frühzeitigen Diagnose Mittel und Wege, um die Erkrankung einzudämmen. Bei einem milderen Verlauf kommen etwa Medikamente sowie antibakteriell und antientzündlich wirkende Cremes und Salben zum Einsatz. Bei mittelschweren und schweren Verläufen können ebenfalls Medikamente helfen. Frauen wird zudem häufig ein Hormonpräparat wie die Pille verschrieben.

Ist Akne inversa heilbar?

Nein, Akne inversa ist nicht heilbar. Es gibt jedoch unterschiedliche Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten, um die Beschwerden zu reduzieren, den Begleiterscheinungen entgegenzuwirken und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Neben Medikamenten, Hormonpräparaten und Lasertherapie kann auch ein operatives Entfernen der Knoten und Zysten infrage kommen.

Was hilft bei Akne inversa im Intimbereich?

Antibiotika können helfen, die Symptome von Akne inversa einzudämmen. Welche Therapie und Behandlung sich speziell bei Akne inversa im Intimbereich eignet, ist von Patient:in zu Patient:in unterschiedlich und kann nur von Hautärztinnen / Hautärzten nach einer ausführlichen Anamnese und Untersuchung ermittelt werden.

Wie schlimm ist Akne inversa?

Für die Betroffenen kann Akne inversa unter Umständen sehr schlimm sein. Die Erkrankung ist oftmals schmerzhaft, unangenehm und kann im Alltag mit Schamgefühlen und Stigmatisierung verbunden sein. Für die Betroffenen bedeutet das eine große körperliche und seelische Belastung und einen hohen Leidensdruck.

Wann geht Akne inversa weg?

Akne inversa ist nicht heilbar. Dennoch lässt sie sich mit geeigneten Behandlungsmethoden oftmals gut in den Griff bekommen. Es kann auch sein, dass die Krankheit von allein wieder weg geht. So tritt sie bei Erwachsenen meist ab dem 20. Lebensjahr auf, ab 55 sinkt die Wahrscheinlichkeit für Akne inversa aber auch wieder.

Quellenangaben
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Schweizer Zeitschrift für Dermatologie und ästhetische Medizin (2018). Leitfaden für medizinisches Fachpersonal: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Acne inversa. www.rosenfluh.ch. Retrieved 09 16., 2022, from 

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Bundesministerium für Gesundheit (2018). Akne inversa. www.gesund.bund.de. Retrieved 09 16., 2022, from https://gesund.bund.de/akne-inversa.

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S. Matzik (2022). Akne inversa. www.netdoktor.de. Retrieved 09 16., 2022 https://www.netdoktor.de/krankheiten/akne/inversa/ 

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