Verhütung

Östrogenfreie Pille – was kann die Minipille?

Die östrogenfreie Pille, auch Minipille genannt, enthält – anders als die Kombinationspille – als einziges Hormon den Wirkstoff Gestagen und kein Östrogen. Damit eignet sie sich z. B. besonders gut für Frauen, die ein erhöhtes Thromboserisiko haben. Wir klären auf, wie die Minipille als Verhütungsmittel wirkt, wie sie angewendet wird, welche Nebenwirkungen sie mit sich bringt und für wen sie sich eignet.

Pille ohne Östrogen: Wie sie wirkt

Wenn wir umgangssprachlich von der Pille sprechen, ist in der Regel von der Kombinationspille die Rede: Sie enthält die Hormone Östrogen und Gestagen. Eine Alternative zur Kombinationspille ist die sogenannte Minipille. Sie enthält kein Östrogen, sondern ausschließlich das Hormon Gestagen und zählt damit ebenfalls zu den hormonellen Verhütungsmitteln. 

Bei der Minipille werden grundsätzlich zwei Arten unterschieden: die Minipille mit dem Gestagen-Hormon Levonorgestrel und die Minipille mit dem Gestagen-Hormon Desogestrel. Von beiden Sorten gibt es unterschiedliche Präparate. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Minipille immer weiter entwickelt, um ihren Schutz zu erhöhen und Nebenwirkungen zu reduzieren. Die Wirkstoffe unterscheiden sich von Generation zu Generation. Welche Minipille sich für Dich am besten eignet, kann am besten Deine Ärztin oder Dein Arzt entscheiden. 

Während die Kombinationspille in etwa 99 Prozent aller Fälle einen Eisprung verhindern kann, verhindert die Minipille den Eisprung nicht – mit Ausnahme eines Präparats mit Desogestrel [1]

Durch einen anderen Effekt ist der Verhütungsschutz der Minipille dennoch hoch: Denn sie verdickt den Schleim am Gebärmutterhals, sodass Spermien nicht mehr hindurch gelangen und die Eizelle nicht befruchten können. Die Gebärmutterschleimhaut wird so verändert, dass sich eine Eizelle, wenn sie doch befruchtet wird, kaum einnisten kann.

Sicherheit der östrogenfreien Pille

Der Pearl-Index der Minipille bei korrekter Anwendung liegt bei 0,14 bis 3: Das heißt, von 1.000 Frauen, die zwölf Monate lang mit der östrogenfreien Pille verhüten, werden 5 bis 30 schwanger. Bei der Minipille mit ​​Desogestrel liegt der Pearl-Index sogar nur bei 0,14 [2]. Der Pearl-Index der Kombinationspille liegt bei 0,1 bis 0,9. Im Vergleich zu anderen hormonellen Verhütungsmitteln ist der Pearl-Index der Minipille leicht höher, dafür aber mit den geringsten Nebenwirkungen und gesundheitlichen Risiken verbunden. 

Dennoch: Bei richtiger Anwendung ist die östrogenfreie Pille sehr sicher. Ungeplante Schwangerschaften mit der Minipille entstehen am häufigsten deshalb, weil die regelmäßige Einnahme unterbrochen und im Alltagsstress vergessen wird, rechtzeitig eine neue Packung zu besorgen. Wenn Du innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme erbrechen musst oder starken Durchfall hast, kann das die Wirkung der Minipille ebenfalls einschränken – ebenso wie eine Kombination mit anderen Arzneimitteln, zum Beispiel Johanniskraut, Medikamente gegen Epilepsie oder gegen Viruserkrankungen. 

Östrogenfreie Pille: Erfahrungen mit der Anwendung

Um einen möglichst hohen Empfängnisschutz zu erreichen, ist eine korrekte Einnahme der Minipille entscheidend – und die ist noch etwas strenger als bei der Kombinationspille. Sie muss nicht nur täglich eingenommen werden, sondern im Falle der Minipille mit Levonorgestrel auch immer innerhalb des gleichen Drei-Stunden-Fensters – bei der Variante mit Desogestrel hast Du bis zu zwölf Stunden dafür Zeit [3]. Andernfalls nimmt der Empfängnisschutz schnell ab.

Was die Minipille noch von der Kombinationspille unterscheidet: Während letztere 21 Tage eingenommen wird, worauf eine siebentägige Pause folgt, wird die östrogenfreie Pille durchgehend eingenommen

Mit der Einnahme der Minipille beginnen

Wenn Du die Verhütung mit der Minipille beginnen möchtest, starte mit der Einnahme am ersten Tag Deiner Monatsblutung. So besteht ein sofortiger Empfängnisschutz. Beginnst Du zwischen dem zweiten und fünften Tag der Monatsblutung, musst Du die ersten sieben Tage zusätzlich verhüten – zum Beispiel mit einem Kondom. 

Steigst Du von einer anderen hormonellen Verhütungsmethode auf die Minipille um oder beginnst nach einer Geburt, Fehlgeburt oder Abtreibung erneut mit der Anwendung der östrogenfreien Pille, müssen einige Besonderheiten berücksichtigt werden. Informiere Deine Ärztin oder Deinen Arzt über Deine aktuelle Situation, so kann sie / er Dich vor der Verschreibung der Minipille entsprechend beraten

Östrogenfreie Pille: Nebenwirkungen im Überblick

Grundsätzlich gilt: Im Vergleich zur Kombinationspille und anderen hormonellen Verhütungsmitteln hat die Minipille weniger Nebenwirkungen, wie z. B. ein geringeres Thromboserisiko. Möglich sind unregelmäßige (Zwischen-)Blutungen, häufig bleibt die Monatsblutung komplett aus.

Weitere mögliche Nebenwirkungen der Minipille: 

  • Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen
  • Haarausfall
  • Hautveränderungen 
  • Sexuelle Lustlosigkeit
  • Kopfschmerzen

Für wen eignet sich die östrogenfreie Pille? 

Wer unter Brustkrebs oder Lebererkrankungen leidet, sollte die Minipille nicht oder nur nach Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt einnehmen. Wenn Du dazu neigst, die Einnahme der Pille zu vergessen oder nicht sicherstellen kannst, dass Du sie immer innerhalb der gleichen drei Stunden eines Tages einnimmst, solltest Du über ein alternatives Verhütungsmittel nachdenken. Ausnahme bildet die Minipille mit Desogestrel, bei der zwölf Stunden Zeit für die Einnahme bleiben. Wer regelmäßig unter Erbrechen, Durchfall oder anderen Magen-Darm-Erkrankungen leidet, sollte ebenfalls lieber zu einem nicht-oralen Verhütungsmittel greifen. 

Bei bekannter oder vermuteter Schwangerschaft, thromboembolischen, arteriellen und kardiovaskulären Erkrankungen sollte auch auf die Einnahme der Minipille mit Levonorgestrel verzichtet werden. Selbiges gilt bei Diabetes mit Gefäßveränderungen und ungeklärten vaginalen Blutungen. 

Die östrogenfreie Pille eignet sich für:

  • Frauen, die unter den Nebenwirkungen der Kombinationspille leiden
  • Raucherinnen, älter als 35 Jahre 
  • Frauen mit leichtem Bluthochdruck, Diabetes [4] oder Übergewicht
  • Stillende Mütter
  • Frauen mit Migräne [5]
  • Frauen mit einem erhöhten Thromboserisiko oder Frauen, die bereits in der Vergangenheit Thrombosen oder eine Lungenembolie hatten

Östrogenfreie Pille: Kosten und Zusammenfassung

Die Preise der Minipille unterscheiden sich je nach Wirkstoff: Eine Dreimonatspackung der Minipille mit Levonorgestrel kostet etwa 30 €, mit dem Wirkstoff Desogestrel sind es zwischen 20 und 40 €. Ob Deine Krankenkasse die Kosten dafür übernimmt, hängt von der Krankenkasse selbst und verschiedenen anderen Faktoren ab. Bis zum 22. Lebensjahr müssen die Kosten aber von gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Ab dem 18. Geburtstag fällt eine gesetzliche Zuzahlung an.

Denkst Du darüber nach, mit der östrogenfreien Pille zu verhüten, musst Du Dir diese zunächst verschreiben lassen. Ohne Rezept gibt es nämlich keine Minipille. Du hast nun entweder die Möglichkeit, Deine Frauenärztin oder Deinen Frauenarzt zu besuchen oder Du füllst ganz einfach online den medizinischen Fragebogen aus, wenn Du das Verhütungsmittel in der Vergangenheit bereits verschrieben bekommen hast. Unsere Ärztinnen überprüfen Deine Angaben und kümmern sich schließlich um Deine Behandlung und um Dein Folgerezept. Die Apotheke bearbeitet Dein Rezept und schickt die Minipille einfach zu Dir nach Hause – in ausgewählten Städten sogar innerhalb von zwei Stunden.

Häufige Fragen

Ist die östrogenfreie Pille besser?

Die östrogenfreie Pille hat ebenso wie die Kombinationspille Vor- und Nachteile. Die Nebenwirkungen der Minipille sind geringer, ihr Empfängnisschutz ist jedoch ebenfalls reduziert. Für viele Frauen, für die die Zugabe von Östrogen zu Nebenwirkungen führen könnte, ist die östrogenfreie Pille aber eine gute Alternative. Das betrifft insbesondere Raucherinnen über 35, Frauen mit leichtem Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht oder solche mit erhöhtem Thromboserisiko. 

Was bewirkt die östrogenfreie Pille?

Die östrogenfreie Pille verdickt den Schleim im Gebärmutterhals, sodass die Spermien schwieriger in die Gebärmutter eindringen können. So kann die Eizelle gar nicht erst befruchtet werden. Zusätzlich verändert sie die Gebärmutterschleimhaut so, dass sich eine befruchtete Eizelle kaum noch einnisten könnte. Die Minipille mit Desogestrel hemmt zusätzlich den Eisprung.

Welche Pille hat die wenigsten Nebenwirkungen?

Im Vergleich zur Kombinationspille hat die östrogenfreie Pille, auch Minipille genannt, weniger Nebenwirkungen. Stimmungsschwankungen, Haarausfall, Hautveränderungen, Kopfschmerzen und reduzierte Libido können durch die Zugabe des Hormons Gestagen dennoch auftreten. Wer unter den Nebenwirkungen der Kombinationspille leidet, kann mit der östrogenfreien Pille eine gute Alternative finden. 

Warum sollte ich östrogenfrei verhüten?

Das Hormon Östrogen kann das Risiko für Thrombosen und in der Folge für Lungenembolien erhöhen [6]. Wer durch seine körperliche Verfassung oder Lebensweise bereits anfällig dafür ist, sollte dementsprechend auf die Zugabe von Östrogen verzichten und könnte stattdessen die Minipille testen, die lediglich das Hormon Gestagen enthält. 

Welche Pille hat die wenigsten Hormone?

Wie der Name bereits verrät, kombiniert die Kombinationspille die Hormone Östrogen und Gestagen. Die Minipille enthält ausschließlich das Hormon Gestagen.

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